{"id":9687,"date":"2019-05-01T14:24:27","date_gmt":"2019-05-01T14:24:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.loroparque.com\/?p=9687"},"modified":"2024-09-13T11:47:55","modified_gmt":"2024-09-13T11:47:55","slug":"offener-brief-an-volker-sommer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loroparque.com\/de\/offener-brief-an-volker-sommer\/","title":{"rendered":"Dr. Peter Dollinger: Offener Brief an Volker Sommer"},"content":{"rendered":"\r\n<p>Quelle:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zootier-lexikon.org\/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=6974:offener-brief-an-volker-sommer\">https:\/\/www.zootier-lexikon.org\/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=6974:offener-brief-an-volker-sommer<\/a><\/p>\r\n<p align=\"justify\">Sehr geehrter Herr Sommer<\/p>\r\n<p align=\"justify\">Ich muss gestehen, ich bewundere Ihre F\u00e4higkeit, Dichtung und Wahrheit so zu verweben, dass dabei eine halbe Stunde homogener, tendenzi\u00f6ser Desinformation herauskommt. Das ist eine reife intellektuelle Leistung. Und auch sich als Wolf im Schafspelz zu tarnen, indem Sie vor dem Verriss ein Loblied auf die Zoos anstimmen, war bei aller b\u00f6ser Absicht gut gemacht.<br \/>Nat\u00fcrlich ist es Ihnen, wie jedem, der seine Meinung \u00f6ffentlich kundtun will, unbenommen \u201eFakes\u201c in die Welt zu setzen. Da mache ich ihnen keinen Vorwurf. Aber manche Ihre Behauptungen k\u00f6nnen nicht unwidersprochen bleiben:<\/p>\r\n<p align=\"justify\">1. Sie behaupten, das generelle Prinzip der Zoos sei \u201eAnimal Hoarding\u201c. Tiere w\u00fcrden gleich Schallplatten oder Oldtimern geradezu s\u00fcchtig gesammelt.<br \/>Das ist falsch, auch wenn sie es zweimal thematisieren. Laut WIKIPEDIA versteht man unter &#8220;Animal Hoarding&#8221; das Ansammeln von Tieren durch Einzelpersonen, wobei die Mindestanforderungen an Hygiene, Platz, Ern\u00e4hrung und tier\u00e4rztlicher Versorgung f\u00fcr die Tiere unterschritten werden, die Person unf\u00e4hig ist, die Auswirkungen dieser M\u00e4ngel auf Tiergesundheit, Haushaltsmitglieder und Umwelt zu erkennen, sie den obsessiven Versuch macht, die Tieransammlung aufrechtzuerhalten oder gar auszubauen, trotz sich zusehends verschlechternder Bedingungen und sie die Probleme f\u00fcr die Tiere und gegebenenfalls auch f\u00fcr die Menschen im Haushalt leugnet oder bagatellisiert. Diesen Begriff auf Institutionen anzuwenden, die \u00fcber eine tier-\/naturschutzrechtliche Betriebsbewilligung verf\u00fcgen, in denen die Tiere unter gesetzlich oder amtlich vorgeschriebenen Standards gehalten, durch eine ausreichende Anzahl qualifizierter Tierpfleger betreut sowie unter st\u00e4ndiger zootier\u00e4rztlicher Beobachtung und amtstier\u00e4rztlicher \u00dcberwachung stehen, d\u00fcrfte den Tatbestand der Verleumdung nach \u00a7 187 des deutschen Strafgesetzbuchs erf\u00fcllen.<br \/>Einerseits \u00fcbersehen Sie, dass Namen wie Wildpark, Aquarium, Reptilienzoo, Vogelpark, Heimattiergarten, Schmetterlingsgarten, die Sie ja penibel, wenn auch falsch (Ihre Zahlen stimmen bei Weitem nicht, die Zoo-AG weist f\u00fcr den deutschsprachigen Raum nicht 400, sondern \u00fcber 1&#8217;000 zoologische Einrichtungen aus) nach Prozenten aufschl\u00fcsseln, bereits eine Selbstbeschr\u00e4nkung implizieren. Zum andern ist es eine leicht \u00fcberpr\u00fcfbare Tatsache, dass Zoos schon l\u00e4ngst vom Prinzip der Briefmarkensammlung abgekommen sind und dass die mittlere Anzahl Tierarten pro Zoo seit \u00fcber einem halben Jahrhundert zu Gunsten einer Verbesserung von Raumangebot und Qualit\u00e4t der Tierhaltung abnehmen. Dies zum Teil in einem Ausma\u00df, dass koordinierte Zuchtprogramme gef\u00e4hrdet sind [DOLLINGER, 2014].<\/p>\r\n<p align=\"justify\">2. Sie behaupten, dass das Zoogewerbe kaum gesetzlichen Standards unterliege.<br \/>Das ist falsch und zeugt von absoluter Ignoranz. Es gibt kaum einen Bereich, der st\u00e4rker geregelt ist, als die Zootierhaltung. Dies f\u00e4ngt damit an, dass es eine Zoo-Richtlinie der EU gibt, eine EU-Artenschutzverordnung, eine Verordnung \u00fcber invasive Tierarten und daneben jede Menge veterin\u00e4rrechtlicher Vorschriften. Auf nationaler Ebene sorgen die Tier-, Arten- und Naturschutzgesetze und darauf basierende Genehmigungspflichten daf\u00fcr, dass es keinen Wildwuchs gibt. In der Schweiz und \u00d6sterreich werden auf Verordnungsstufe detaillierte Mindestanforderungen an die Haltung der einzelnen Tierarten festgelegt. In Deutschland gibt es zu diesem Zweck Gutachten des zust\u00e4ndigen Ministeriums, die von den Amtstier\u00e4rzten bei ihren periodischen Kontrollen herangezogen werden. Der Tierpflegerberuf und das Vorliegen von Sachkundenachweisen sind ebenso geregelt wie sicherheitspolizeiliche Anforderungen.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">3. An sich eine Bagatelle, aber doch ein Beleg daf\u00fcr, wie oberfl\u00e4chlich sie recherchiert haben:<br \/>Ihre Angabe, WAZA habe 250 Mitglieder davon ein gutes Dutzend in Deutschland trifft etwas daneben. Ende 2017 hatte WAZA effektiv 278 institutionelle Mitglieder, davon 36 in Deutschland, nach Adam Riese also nicht ein gutes, sondern drei volle Dutzend.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">4. Sie verweisen darauf, dass WAZA- und VdZ Mitglieder von den Organisationen festgelegte Standards beachten.Sie ber\u00fccksichtigen aber nicht, dass der Europ\u00e4ische Zoo- und Aquarienverband (EAZA), der \u00fcber ein Akkreditierungsverfahren und weit detailliertere Standards oder \u201eBest Practice Guidelines\u201c verf\u00fcgt, mehr als 100 weitere Mitglieder hat, die in den WAZA-Zahlen nicht enthalten sind, und dass die Deutsche Tierparkgesellschaft (DTG) den Anhang zur Satzung des VdZ \u00fcber Anforderungen an Mitgliedzoos weitestgehend \u00fcbernommen hat und damit nochmals rund 100 Zoologische Einrichtungen einbindet. Auch nationale Zoo-Organisationen au\u00dferhalb des deutschen Sprachraums und regionale Organisationen anderer Kontinente verf\u00fcgen \u00fcber Standards und zum Teil Akkreditierungsverfahren f\u00fcr ihre Mitglieder.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">5. Sie behaupten, dass durch die Zoos die Natur ausgepl\u00fcndert worden sei und dass, um dies einzud\u00e4mmen, seit 1973 die Regeln von CITES g\u00e4lten.<br \/>Abgesehen davon, dass die Regeln von CITES nicht seit 1973, sondern erst ab dem 1. Juli 1975 in damals 10 Vertragsstaaten galten, in der Bundesrepublik Deutschland erst ab dem 20. Juni 1976 und in \u00d6sterreich gar erst ab dem 27. April 1982 (schon wieder lausig recherchiert!), ist dies eine Verkehrung der Tatsachen. Zoos hatten in nur ganz wenigen F\u00e4llen eine negative Auswirkung auf Wildbest\u00e4nde und hatten, sobald sie dies realisierten, schon lange vor CITES freiwillige Selbstbeschr\u00e4nkungen eingef\u00fchrt, etwa im Fall des Orang Utans und des Moschusochsen. Dann geh\u00f6rte der Internationale Zoodirektorenverband, der Vorl\u00e4ufer von WAZA, zu den wenigen Organisationen, welche die Staatengemeinschaft dazu dr\u00e4ngten, internationale Regeln zur Kontrolle und Beschr\u00e4nkung des Handels einzuf\u00fchren. Effektiv gilt unter CITES f\u00fcr die im Anhang I aufgef\u00fchrten Arten ein Verbot des kommerziellen Handels f\u00fcr der Natur entnommene Exemplare. Ein Handel mit Nachzuchten oder nicht-kommerzieller Handel sind jedoch weiterhin statthaft, wenn die entsprechenden Bescheinigungen vorliegen. Schlie\u00dflich lagen die Probleme, welche es im Rahmen von CITES zu l\u00f6sen galt, nicht bei den Zootieren, sondern bei den Pelzfellen von Katzenartigen und Ottern, bei Krokodil-, Schlangen und Waranh\u00e4uten, Schildpatt, Elfenbein, Nashornh\u00f6rnern, Vikunjawolle und weiteren tierischen Produkten, bei Zierpflanzen und bei Tropenh\u00f6lzern. Soweit lebende Tiere im Fokus standen, handelte es sich um Arten, die in gro\u00dfem Stil f\u00fcr andere Zwecke als f\u00fcr die Zoohaltung gehandelt wurden, etwa Primaten f\u00fcr die biomedizinische Forschung oder Schildkr\u00f6ten, Echsen und Papageien f\u00fcr die Privathaltung.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">6. Sie behaupten, die Einf\u00fchrung der Handelsbeschr\u00e4nkungen h\u00e4tte die Zoos unter Druck gesetzt, die Sterberate der gehaltenen Tiere zu senken.<br \/>Hier besteht \u00fcberhaupt kein Kausalzusammenhang. Wenn Sie den Zoos schon kein ethisches Verhalten zubilligen wollen, m\u00fcssen sie vielleicht doch einsehen, dass es \u00f6konomisch sinnvoll ist, die Tiere l\u00e4ngerfristig am Leben zu erhalten, vor allem f\u00fcr Institutionen, die nicht im Geld schwimmen. Grunds\u00e4tzlich hat daher kein Zoo ein Interesse daran, dass ihm die Tiere wegsterben. Abgesehen davon, f\u00e4llt die Mehrzahl der in Zoos gehaltenen Arten gar nicht unter CITES oder sie sind im Anhang II aufgef\u00fchrt, fallen also unter Artikel IV des \u00dcbereinkommens, der keinerlei Anforderungen an den Empf\u00e4ngerbetrieb stellt. Ihre Argumentation ist daher schon vom Prinzip her nicht aufrecht zu erhalten.<br \/>Eine Reduktion der Sterberate kam nach dem Zweiten Weltkrieg durch verschiedene Faktoren zustande: Einmal, dadurch dass durch Heini HEDIGERS Buch \u201eWildtiere in Gefangenschaft\u201c, mit dem er die Tiergartenbiologie als Wissenschaftszweig begr\u00fcndete, das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Tiere und ihre Bed\u00fcrfnisse stieg und die Haltung verbessert wurde, dass durch neue Erkenntnisse der Ern\u00e4hrungswissenschaft eine vollwertige F\u00fctterung auch bei Tierarten m\u00f6glich wurde, wo dies zuvor nicht der Fall war, dass die rasante Entwicklung der Veterin\u00e4rmedizin ein ganzes Arsenal von Antibiotika, Antiparasitika und Impfstoffen zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten verf\u00fcgbar machte und dass dank neuer Mittel zur Narkose und Immobilisation sowie der M\u00f6glichkeit diese auch auf Distanz zu applizieren, Zwischenf\u00e4lle beim Umsetzen und Transport minimiert werden konnten. Hinzu kommt, dass ab 1959 der Erfahrungsaustausch zwischen den Zootier\u00e4rzten im Rahmen des Internationalen Symposiums \u00fcber die Erkrankungen der Zootiere institutionalisiert wurde und die Zootier\u00e4rzteschaft massiv in ihre Weiterbildung investiert hat.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">7. Sie behaupten, das \u201eVier-S\u00e4ulen-Konzept\u201c sei im Gefolge von CITES als eine Art Charme-Offensive entwickelt worden. Es sei nicht tragendes Fundament, sondern nachgeschobener \u00dcberbau der Institution Zoo und die Erholungsfunktion sei als am wenigsten noble Aufgabe versch\u00e4mt an den Schluss gestellt worden.<br \/>Hier t\u00e4uschen Sie sich gleich mehrfach: Bereits 1948, da waren Sie noch nicht mal geboren, hat HEDIGER eine Schrift unter dem Titel \u201eDer Zoologische Garten als Asyl und Forschungsst\u00e4tte\u201c ver\u00f6ffentlicht, wobei sich \u201eAsyl\u201c sowohl auf den Artenschutz als auch den Schutz des individuellen Tiers bezog. 1965 diskutierte er in seinem Buch \u201eMensch und Tier im Zoo: Tiergarten-Biologie\u201c die \u201eSieben Aspekte eines Zoologischen Gartens\u201c und am 26. Mai 1973 fasste er seine Anforderungen an einen Zoo, auf die er immer wieder hingewiesen hatte, in einem sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichten Vortrag an der Hauptversammlung der Naturforschenden Gesellschaft in Z\u00fcrich als Vier-S\u00e4ulen-Prinzip zusammen. Das fand alles statt, bevor CITES in Kraft trat.<br \/>Was die Wissenschaft angeht, sei darauf verwiesen, dass schon ab Beginn des 19. Jahrhunderts die wissenschaftliche Erstbeschreibung zahlreicher Tierarten durch Zooleute und anhand von Material aus ihren Tierg\u00e4rten erfolgte, so z.B. durch Georges Cuvier, Fr\u00e9d\u00e9ric Cuvier, \u00c9tienne Geoffroy Saint-Hilaire an der Pariser Menagerie oder durch Martin Hinrich Lichtenstein und Wilhelm Carl Hartwig Peters am Zoologischen Garten Berlin. Dies zieht sich hin bis in die Jetztzeit, indem z.B. 2005 ein neuer Vietnam-Gecko durch ein Autorenteam, zu dem der Leiter des K\u00f6lner Aquariums, Thomas Ziegler, geh\u00f6rte, entdeckt und als Reverenz an die ZDF-Sendung \u201eAbenteuer Wissen\u201c mit dem Namen Gekko scientiae-adventurae belegt wurde. Schon ab 1859 gab der Zoo Frankfurt mit dem \u201eZoologischen Garten\u201c eine wissenschaftliche Zeitschrift heraus, die rasch zum \u201eCentralorgan der zoologischen G\u00e4rten in Deutschland\u201c mutierte. Ab 1959 erschienen j\u00e4hrlich die Verhandlungsberichte der internationalen Zootier\u00e4rzte-Symposia und ab 1960 kam als englischsprachiges wissenschaftliches Periodikum das \u201eInternational Zoo Yearbook\u201c hinzu. In der Welt-Zoo-Naturschutz-Strategie von 2005 werden 27 wissenschaftliche Zeitschriften angegeben, die entweder von Zoos herausgegeben oder von diesen regelm\u00e4\u00dfig mit Forschungsergebnissen bedient werden. Seit 2013 gibt EAZA das &#8220;Journal of Zoo and Aquarium Research&#8221; als Online-Publikation heraus. Schon 1958 etablierte Prof. Heinrich Dathe am Tierpark Berlin-Friedrichsfelde eine Forschungsstelle f\u00fcr Wirbeltierforschung, heute das Leibniz-Institut f\u00fcr Zoo- und Wildtierforschung. Seit 2014 finanziert der Opel-Zoo als erster deutscher Zoo eine Stiftungsprofessur im Fachbereich Biowissenschaften der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt am Main und 2016 zog der Frankfurter Zoo im gleichen Sinne nach.<br \/>Bez\u00fcglich Natur- und Artenschutz ist festzuhalten, dass die ersten Erhaltungszuchten f\u00fcr bedrohte Arten, die in erfolgreiche Wiederansiedlungsprojekte ausm\u00fcndeten, Jahrzehnte vor CITES datieren, n\u00e4mlich 1905 f\u00fcr den Bison, 1906 f\u00fcr den Alpensteinbock, 1923 f\u00fcr den Wisent und 1957 f\u00fcr das Przewalskipferd und kurz danach f\u00fcr einige weitere Arten. Mittlerweile konnten 14 in der Wildbahn vollst\u00e4ndig und \u00fcber 200 regional ausgestorbene Arten aus Zoobest\u00e4nden wiederangesiedelt werden.<br \/>Den Bildungsauftrag nahmen die Zoos urspr\u00fcnglich haupts\u00e4chlich durch Professuren und Lehrauftr\u00e4ge an den Hochschulen und durch Gehegebeschriftungen, umfangreiche Zoof\u00fchrer sowie Zoof\u00fchrungen durch Zoomitarbeiter f\u00fcr das breite Publikum wahr. Ab 1958 begannen die europ\u00e4ischen Zoos mit der Anstellung des ersten Zoolehrers in London und 1960 der ersten Zoop\u00e4dagogin im Frankfurter Zoo den Bildungsauftrag auf eine breitere Basis zu stellen. Heute verf\u00fcgen 86 % der VdZ-Zoos \u00fcber eine Zooschule. Die 71 Mitgliedzoos haben 861 Mitarbeiter, die im edukativen Bereich t\u00e4tig sind. Die Bildungsangebote der Zooschulen, Vortr\u00e4ge oder F\u00fchrungen werden j\u00e4hrlich von 1.1 Millionen Menschen wahrgenommen, die &#8220;Keeper&#8217;s Talks&#8221; und kommentierten F\u00fctterungen nicht eingerechnet. Der Deutsche Wildgehegeverband hat vor ein paar Jahren eine Qualifizierungsoffensive eingef\u00fchrt, die an der Bildung f\u00fcr nachhaltige Entwicklung ansetzt. Die Lernangebote sind darauf ausgerichtet, dass an Seminaren teilnehmende Parks zu diesem Punkt Wissen und Handlungskompetenz erwerben, um sich in der eigenen Einrichtung m\u00f6glichst individuell weiterzuentwickeln. Dieses mehrstufige Angebot wird von den Parks sehr gut angenommen.<br \/>Die Erholungsfunktion kommt bei Hediger 1973 nicht, wie Sie insinuieren, versch\u00e4mt an letzter, sondern an erster Stelle. Diese Reihenfolge wurde im 2012 erschienenen Jubil\u00e4umsbuch des VdZ \u201eG\u00e4rten f\u00fcr Tiere \u2013 Erlebnisse f\u00fcr Menschen\u201c beibehalten. WAZA sieht in ihrer Welt-Zoo-Naturschutzstrategie von 2005 in der Erholungsfunktion, d.h. dem Aufenthalt in einer naturnahen Umgebung und direkte Mensch-Tier-Begegnungen, ein Mittel, das breite Publikum f\u00fcr den Schutz von Wildtieren und der Natur zu motivieren.<br \/>Als ein Beispiel f\u00fcr die Wahrnehmung der vier S\u00e4ulen sei auf den Opel-Zoo verwiesen, der sein Engagement seit 2016 gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit mit Zahlen hinterlegt. Hier die Angaben f\u00fcr 2018:<br \/>\u2022 1. S\u00e4ule &#8211; Erholung: 545&#8217;000 Besucher<br \/>\u2022 2. S\u00e4ule &#8211; Bildung: 20&#8217;400 durch die Zoop\u00e4dagogen betreute Personen<br \/>\u2022 3. S\u00e4ule &#8211; Forschung: 18 fertiggestellte, durch die Opel-Zoo-Professur betreute Abschlussarbeiten<br \/>\u2022 4. S\u00e4ule &#8211; Artenschutz: Nachzuchttiere an 7 Wiederansiedlungsprojekte abgegeben und 3 weitere Arten neu im Zuchtprogramm<\/p>\r\n<p align=\"justify\">8. Sie stellen fest, hedonistische Bed\u00fcrfnisse seien der prim\u00e4re Grund f\u00fcr einen Zoobesuch und der einzige, der die Kassen klingeln l\u00e4sst. Megazoos w\u00fcrden Tiere als Staffage etwa f\u00fcr Gala-Dinners einsetzen, Tiere w\u00fcrden instrumentalisiert und ausgebeutet.<br \/>Fakt ist, Zoologische G\u00e4rten sind so beliebt wie nie zuvor und legen j\u00e4hrlich an Besuchern zu. Aber sind es wirklich &#8220;hedonistische Bed\u00fcrfnisse&#8221;, welche die Leute veranlassen, einen Zoo zu besuchen? Mein ehemaliger Mitarbeiter und guter Kollege Dr. Thomas Althaus, seines Zeichens Ethologe, glaubt nicht, dass die reine Unterhaltung der Grund sei, aber auch nicht der Wunsch, sich nachhaltig viel Wissen anzueignen. Vielmehr sei es das Bed\u00fcrfnis, den Tieren pers\u00f6nlich Auge in Auge gegen\u00fcber zu stehen, sie in ihrer K\u00f6rperlichkeit, ihrem Wesen, ihrer Ausd\u00fcnstung, ihren Bewegungen zu erleben. Das habe nichts mit dem Kopf und dem Intellekt zu tun, sondern mit dem \u201eBauch\u201c, der Gef\u00fchlsebene, der Bewunderung, der Ehrfurcht. Der Zoo vermittelt also bleibende und nachhaltige Erlebnisinhalte und Emotionen. Daf\u00fcr reicht unter Umst\u00e4nden sogar eine Verweildauer von weniger als eine Minute vor einem Gehege aus.<br \/>Es ist richtig, dass die Zoos Bed\u00fcrfnisse der Menschen nutzen, um Eink\u00fcnfte zu generieren. Dies muss so sein, denn obwohl Zoos h\u00f6heren Fixkosten haben als andere kulturelle Einrichtungen, werden sie in weitaus geringeren Ma\u00df subventioniert als z.B. Museen oder Theater. W\u00e4re dies nicht der Fall, k\u00f6nnten sie getrost auf Eintrittsgeb\u00fchren verzichten. Dazu ein paar Beispiele: Im Jahr 2007 bezuschusste die Stadt Frankfurt ihren Zoo mit 6,7 Millionen Euro, was einer Subvention in der H\u00f6he von 7,33 Euro je Besuch entspricht. Im selben Jahr deckte sie auch das Defizit von Oper und Schauspielhaus in der H\u00f6he 57,6 Millionen Euro, was bedeutet, dass sie im Schnitt zu jedem verkauften Theaterbillet rund 191 Euro hinzugezahlt hat. Der Berliner Senat subventionierte im Jahr 2011 Zoo und Zoo-Aquarium mit 1.3 Millionen Euro und den Tierpark mit 5.7 Millionen Euro, was 1.91 Euro pro Besucher der Hauptstadt-Zoos entspricht. Dagegen wird jeder Besuch in einem Hallenbad mit 4.80 Euro oder im Friedrichstadtpalast mit 14 Euro subventioniert, jede Karte f\u00fcr die Staatsoper wird mit 186 Euro bezuschusst, Tickets der Stiftung Stadtmuseum mit 61 Euro, also einem Vielfachen dessen, was die Zoos erhalten. Die Stadt Basel unterst\u00fctzt den Zoo, eine gemeinn\u00fctzige AG, j\u00e4hrlich mit umgerechnet 800&#8217;000 Euro, das sind etwa 0.70 Euro pro Besuch. Gleichzeitig subventioniert sie das Theater Basel mit 24 Millionen Euro. Bezogen auf die rund 165&#8217;000 G\u00e4ste des Dreispartentheaters entspricht dies einer durch die Stadt finanzierten Verbilligung von 145 Euro pro verkauftem Billet. Das Naturhistorische Museum Basel mit 97&#8217;064 Besuchern (Jahr 2010) erhielt 5&#8217;677&#8217;500 Euro, d.h. 58 Euro pro Besucher.<br \/>Was die Instrumentalisierung und Ausbeutung der Tiere angeht, so ist das etwas was Sie und andere Tierrechtler st\u00f6rt, den Tieren aber egal ist. W\u00e4re ein Fisch intellektuell in der Lage, solche Gedankeng\u00e4nge zu machen, w\u00fcrde er es sicher vorziehen, im Gro\u00dfaquarium von Lachsbr\u00f6tchen essenden Gala-Dinner-G\u00e4sten angestarrt zu werden, als in der Fischmarkthalle auf Eis zu liegen und darauf zu warten, selbst verzehrt zu werden.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">9. Sie behaupten die Masse der Zoobesucher lerne nichts \u00fcber Biologie und Naturschutz, jedenfalls sei dies durch keine belastbare Studie bewiesen.<br \/>Damit Ihre Aussage glaubhaft ist, m\u00fcssten Sie erst mal eine belastbare Studie pr\u00e4sentieren, die belegt, dass die Masse der Besucher nichts lernt. Zweitens m\u00fcssten Sie begr\u00fcnden, weshalb z.B. die Arbeiten von JENSEN et al. (2017), MOSS et al. (2014), MOSS et al. (2017) und SMITH et al. (2008), welche einen Lerneffekt nachweisen und die alle in peer-reviewed Journals erschienen sind, nicht belastbar sein sollten. Die von Tierrechtlern zur St\u00fctzung der These, dass Zoobesucher nichts lernten, herangezogene Arbeit von JENSEN (2014), hat die Schw\u00e4che, dass sie auf einer Untersuchung in einem einzigen Zoo und auf Besuchern einer bestimmten Altersklasse beruht. Abgesehen davon kommt sie zu den Schl\u00fcssen: \u201eForty\u2010one percent of educator\u2010guided visits and 34% of unguided visits resulted in conservation biology\u2010related learning.\u201c und \u201cOverall, my results show the potential educational value of visiting zoos for children.\u201d Wie Sie sehen, kann man auch diese von GOLDNER gegen Zoos verwendete Arbeit als Argument f\u00fcr die Zoos zitieren.<br \/>Wenn Sie schon die Effektivit\u00e4t der Zoos hinsichtlich Umwelterziehung infrage stellen, m\u00fcssten Sie auch einen Vergleich mit den eigentlichen Naturschutzorganisationen anstellen: Der WWF gibt Jahr f\u00fcr Jahr etwa 650 Millionen EURO aus, einen gro\u00dfen Teil davon, um die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den Natur- und Umweltschutz zu sensibilisieren. Bei Greenpeace sind es 240 Millionen, die haupts\u00e4chlich f\u00fcr publikumswirksamen Aktionismus drauf gehen. Ist die Welt deswegen besser geworden? Verzichten die Leute deswegen auf den Kauf eines SUV? Verzichten sie darauf, mal schnell f\u00fcr ein Wochenende nach New York oder London zu fliegen, um sich ein paar T-Shirts oder Schuhe zu kaufen? Ersetzen sie den Jahresurlaub auf Mallorca durch einen in Oberbayern? Wechseln die Deutschen etwa auf die umweltfreundlichere Bahn anstatt bei zunehmender Tendenz j\u00e4hrlich \u00fcber 450&#8217;000 Stunden im Stau zu stehen? Bauen sie zuhauf die sterilen G\u00e4rten ihrer Einfamilienh\u00e4user zu Naturg\u00e4rten um? Warum hat der Fischverzehr in Deutschland seit den 1980er-Jahren um 30-40% zugenommen? Weshalb produzieren wir mehr M\u00fcll als je zuvor? Offensichtlich n\u00fctzen weder die Aufkl\u00e4rungsarbeit der Umweltsch\u00fctzer noch ihre Apelle irgendwas. Also schaffen wird doch, Ihrer Logik folgend, die Umweltorganisationen ab.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">10. Sie werfen den Zoos vor, K\u00e4fige und Anlagen im Sinne eines \u00abstrategischen Neusprechs\u00bb als Zuhause zu bezeichnen.<br \/>Tatsache ist, dass Tiere keinen abstrakten Freiheitsbegriff haben. Sie stellen im Sinne der Selbst- und allenfalls der Arterhaltung bestimmte Anforderungen an ihre Umgebung. Sind diese erf\u00fcllt, betrachten sie diese Umgebung als ihr Zuhause, ob das nun eine bestimmte Fl\u00e4che im Wald, ein Mammutbaum in der Savanne, eine Felswand im Gebirge, oder eben ein Gehege im Zoo sei. Dabei handelt es sich nicht um einen \u00abNeusprech\u00bb, sondern um eine Erkenntnis aus der ersten H\u00e4lfte des vorigen Jahrhunderts, nach der Tiere im Zoo nicht Gefangene, sondern Grundbesitzer sind [HEDIGER, 1942].<\/p>\r\n<p align=\"justify\">11. Sie behaupten, dass wissenschaftliche Leitung die Einstufung der Zoos als nicht-kommerziell erlaube, was ihnen erm\u00f6gliche, Tiere der \u00abRoten CITES-Liste\u00bb zu erwerben.<br \/>Das ist v\u00f6llig daneben und belegt, dass Sie keine Ahnung von den CITES-Mechanismen haben. Eine \u201eRote CITES Liste&#8221; gibt es nicht. Wildf\u00e4nge des CITES-Anhangs I d\u00fcrfen nach Artikel III nur f\u00fcr prim\u00e4r kommerzielle Zwecke nicht eingef\u00fchrt werden, was jedem Zoo die Einfuhr erlaubt, der sich im Besitz der \u00d6ffentlichen Hand befindet oder als gGmbH, gemeinn\u00fctzige AG, Stiftung oder Verein betrieben wird. Wissenschaftliche Zwecke sind f\u00fcr die Einstufung als &#8220;nicht-kommerziell&#8221; nicht erforderlich und mit der Art der Leitung hat dies erst recht nichts zu tun.<br \/>Im \u00dcbrigen ist f\u00fcr eine Mitgliedschaft im Verband der Zoologischen G\u00e4rten (VdZ), der nur wissenschaftlich geleitete Zoos vereinigt, nicht prim\u00e4r die akademische Qualifikation des Zoodirektors ausschlaggebend, sondern ein sechsseitiger Anforderungskatalog mit 50 Kriterien.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">12. Sie behaupten, dass Forschung im Zoo ausschlie\u00dflich der Selbsterhaltung der Zoos dienten und \u00fcbergreifende Strategien f\u00fcr Grundlagenforschung fehlten.<br \/>Dass Zoos sich um neue Erkenntnisse zur Verbesserung der Tierhaltung bem\u00fchen, ist nicht nur eine Forderung von Tierschutzorganisationen, sondern auch des Staates. Dass dies aber der einzige Aspekt der zoogest\u00fctzten Forschung sei, ist falsch und leicht anhand zahlreicher Arbeiten, die sich nicht auf die Haltung beziehen, zu widerlegen. Ihre Behauptung, es g\u00e4be keine \u00fcbergreifende Strategie ist ein weiterer Beweis f\u00fcr Ihre schlampige Recherche: Bereits 2008 ver\u00f6ffentlichte EAZA ihre Research Strategy, und in der Welt-Zoo-Naturschutzstrategie von 2005 ist der Forschung ein eigenes Kapitel gewidmet, das auch eine breitgef\u00e4cherte Liste der m\u00f6glichen Forschungsfelder enth\u00e4lt.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">13. Sie behaupten, man k\u00f6nne die Zahl der weltweit an Zoos angesiedelten und von diesen finanzierten Forschungsgruppen an einer Hand abz\u00e4hlen.<br \/>H\u00e4tten Sie sich die M\u00fche genommen, bei GOOGLE \u00abzoo+research+department\u00bb einzugeben, h\u00e4tten Sie in 0.6 Sekunden 41&#8217;000 Ergebnisse auf dem Tisch gehabt. Bei Durchsehen der ersten vier Seiten w\u00e4ren sie schon auf rund 20 Zoos gesto\u00dfen, die \u00fcber ein \u00abresearch\u00bb oder \u00abscience\u00bb Department verf\u00fcgen. So viele Finger haben nicht einmal Sie.<br \/>Grunds\u00e4tzlich ist Forschung keine zwingende Aufgabe der Zoos, sondern wird sowohl in der EU-Zoo-Richtlinie als auch in den nationalen Ausf\u00fchrungsgesetzen als Option aufgef\u00fchrt. Faktisch beanspruchen von den \u00fcber 1&#8217;000 Zoos im deutschsprachigen Raum lediglich rund 70, Forschung zu betreiben oder zu f\u00f6rdern. Bei den \u00fcbrigen 93 %, die nicht damit argumentieren, st\u00f6\u00dft ihre Kritik, Forschung sei ein Nebenprodukt oder werde als Feigenblatt verwendet, ins Leere. Dass die rund 70 VdZ-Zoos nicht mehr Geld in Forschung investieren, ist nachvollziehbar, wenn man ber\u00fccksichtigt, dass sie daf\u00fcr keinen m\u00fcden Cent von der \u00d6ffentlichen Hand erhalten, und ist leicht zu kritisieren, wenn man, wie Sie, bei einer Institution angestellt ist, welcher der Staat j\u00e4hrlich Forschungsmittel in dreistelliger Millionenh\u00f6he hinterher wirft.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">14. Sie stellen fest, zahlreiche Arten, f\u00fcr die es Erhaltungszuchtprogramme gebe, seien weder gef\u00e4hrdet noch w\u00fcrden Tiere aus diesen Programmen je ausgesiedelt. Profiteure dieser Zuchten seien also die Zoos selbst.<br \/>Tatsache ist, dass Zoos sich auch um die langfristige Haltung und Zucht von Arten bem\u00fchen, die nicht gef\u00e4hrdet sind. Aber sie vergessen, dass die Zoos auch andere Aufgaben haben, zu deren Erf\u00fcllung sie aus ihrer Sicht Tiere ben\u00f6tigen, weil sie &#8211; im Gegensatz zu Tierrechtlern &#8211; nicht davon ausgehen, dass die gleiche Wirkung mit Computer-Animationen erreicht werden kann. Die Zoos in diesem Zusammenhang als \u00abProfiteure\u00bb zu bezeichnen, impliziert, dass sie Profit machen. Dies ist aber in aller Regel nicht der Fall. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind Zoos \u00abnot for profit\u00bb-Institutionen.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">15. Sie verweisen darauf, dass der finanzielle Beitrag der Zoos an den in situ-Naturschutz minimal sei.<br \/>Vorab ist festzustellen, dass es unwissenschaftlich ist, anhand eines einzelnen, staatlichen Zoos in einem betont sparsamen Bundesland auf die Zoogemeinschaft insgesamt zu schlie\u00dfen. Gem\u00e4\u00df WAZA unterst\u00fctzen deren Mitglieder in situ-Projekte j\u00e4hrlich mit \u00fcber 300 Millionen Franken. Damit ist das Zoo-Kollektiv hinter dem WWF und \u00abConservation International\u00bb die drittgr\u00f6sste Naturschutz-Organisation der Welt. Im Weiteren bem\u00fchen sich die Zoos in den letzten Jahren, ihre finanziellen Beitr\u00e4ge an den in situ-Naturschutz zu erh\u00f6hen, etwa indem sie eine Naturschutzabgabe auf verkaufte Tickets einf\u00fchren. So schl\u00e4gt z.B. der Zoo Augsburg seit 2009 auf jedes Ticket 10 Naturschutz-Cents drauf, der Zoo Karlsruhe seit dem 1. Januar 2019 einen Euro. Im Zoo Basel, der das System seit 2016 kennt, kamen allein im Jahr 2017 346\u2018000.- CHF zusammen, beinahe so viel, wie die von Ihnen zitierte Wilhelma in 23 Jahren f\u00fcr in situ-Projekte ausgegeben hat. Abgesehen davon sind pekuni\u00e4re Beitr\u00e4ge nur ein Teil der Leistungen der Zoos. Diese helfen auch mit Know-How, Manpower, Wissenstransfer, PR und Infrastrukur, was sich schlecht auf Heller und Pfennig berechnen l\u00e4sst.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">16. Tierschutzaspekte<br \/>Es ist symptomatisch, dass von Tierrechtlern in diesem Zusammenhang immer Rainer Maria Rilkes Gedicht &#8220;Der Panther&#8221; zitiert wird. Das Gedicht wurde 1902 geschrieben, als Kaiser Wilhelm noch \u00fcber das Deutsche Reich herrschte. Es beschreibt das Verhalten eines Leoparden in einem vor 200 Jahren (1817-1821) erbauten und 1936, also vor \u00fcber 80 Jahre abgerissenen Raubtierhaus. Zu behaupten, in den letzten 80 Jahren h\u00e4tte es keine Verbesserung der Tierhaltung gegeben, ist entweder dumm oder b\u00f6swillig.<br \/>Ihre Behauptungen, Zoos wirkten lebensverk\u00fcrzend, Tiere w\u00fcrden zwangsl\u00e4ufig Stereotypien entwickeln, der ihnen im Vergleich zu den nat\u00fcrlichen Streifgebieten zur Verf\u00fcgung stehende limitierte Lebensraum sei ein Problem etc. m\u00f6gen in manchen F\u00e4llen zutreffen, k\u00f6nnen aber sicher nicht verallgemeinert werden. Insbesondere ist die Zeitachse zu ber\u00fccksichtigen, denn eine Tierhaltung im Jahr 1900 ist kaum mit der Situation im Jahr 2000 vergleichbar. So ist es z.B. unzul\u00e4ssig, H\u00f6chstalter in der Natur mit Durchschnittsaltern im Zoo zu vergleichen. Eine ungest\u00f6rte Elefantenpopulation in der ost- oder s\u00fcdafrikanischen Savanne w\u00e4chst j\u00e4hrlich um etwa 6%. Sobald die tragbare Dichte erreicht ist, m\u00fcssen zwangsl\u00e4ufig auch 6% der Tiere pro Jahr sterben, was dann noch ein mittleres Alter von etwa 15 Jahren ergibt. Damit werden die von Ihnen zitierten ausnahmsweise erreichten 56 Jahre f\u00fcr Afrikanische Elefantenk\u00fche irrelevant und die Bilanz geht zu Gunsten der Zoos aus. Ihr Vergleich zwischen Asiatischen Elefanten in Holzf\u00e4llercamps und Nachzuchttieren in Europa hinkt insofern, als die allermeisten Elefantengeburten in Europa innerhalb der letzten 20 Jahre stattgefunden haben und somit das Durchschnittsalter der zoogeborenen Elefanten zwangsl\u00e4ufig unter 20 Jahren liegen muss. 2018 starben in Deutschen Zoos 5 Wildfangk\u00fche. Diese hatten ein Durchschnittsalter von 51 Jahren &#8211; 9 Jahre mehr als die Holzf\u00e4ller-Elefanten. Wie bei vielen anderen Arten ist mittlerweile die Lebenserwartung von Menschenaffen und sogar von Gro\u00dfen T\u00fcmmler in den viel geschm\u00e4hten Delfinarien h\u00f6her als in der Natur.<br \/>Landbesitz ist f\u00fcr Tiere, im Gegensatz zum Menschen, kein an sich erstrebenswertes Ziel. Ein Streifgebiet muss ausreichend Nahrung und die f\u00fcr den Selbst- und Arterhalt notwendige Infrastruktur bieten und nicht mehr. Seine Gr\u00f6\u00dfe ist deshalb als Funktion der Umweltbedingungen f\u00fcr ein und dieselbe Art sehr variabel. Ein Luchs in den Schweizerischen Westalpen ben\u00f6tigt etwa 80 km\u00b2, damit er seine 50-70 Rehe oder Gemsen pro Jahr schlagen kann. Ein Luchs, der in ein zuvor luchsfreies Gebiet im Kanton Wallis kam, wo ein Wildh\u00fcter eine Rehwildf\u00fctterung eingerichtet hatte, reduzierte seinen Aktionsradius auf wenige hundert Meter, solange er jede Woche einmal vom Baum herabsteigen und in der unmittelbaren Umgebung der F\u00fctterung ein Reh schlagen konnte. Entsprechendes ist von Wolfsrudeln in Kanada bekannt, die sich von recht station\u00e4r lebenden Waldbisons ern\u00e4hren. Im Zoo, wo das Futter bereitgestellt wird, kann ein Gehege noch sehr viel kleiner sein, ohne dass dies ein Problem darstellen muss.<\/p>\r\n<p align=\"justify\">17. Zur Zukunft der Zoos<br \/>Ihre Vorstellungen zum Umbau von Zoos sind nicht von dieser Welt, sicher solange nicht, als die \u00d6ffentliche Hand nicht bereit ist, Zoos im gleichen Umfang zu subventionieren wie Museen oder st\u00e4dtische Theater, und solange Tierrechtler sich zwar geb\u00e4rden, wie wenn sie die Mitte der Gesellschaft darstellten, tats\u00e4chlich aber nur eine Randgruppe sind. Ihre Idee, die Zoos zu schlie\u00dfen und die Sammlungen auf weitl\u00e4ufigen Inseln etc. zusammenzuf\u00fchren ist unrealistisch. Wo finden Sie eine unbewohnte und faunenfreie Insel, auf der Sie nur schon mal die 1&#8217;600 im Internationalen Zuchtbuch erfassten Tiger unter Bedingungen unterbringen k\u00f6nnen, die besser sind, als im Zoo, und woher nehmen Sie die Millionen, um die individuellen Gehege f\u00fcr diese solit\u00e4r lebenden Tiere zu finanzieren? Denn wenn sie die Tiere ohne bauliche Ma\u00dfnahmen einfach auf Ihrer Insel laufen lie\u00dfen, w\u00e4re das Ergebnis Mord und Totschlag in gro\u00dfem Stil. Woher k\u00e4me das Geld, um die Tiger mit 2.5 Millionen Kilo Fleisch im Jahr zu versorgen? Und das ist erst eine Tierart von ein paar tausend, die Sie umsiedeln wollen. Die von Ihnen als Beispiel herangezogene Umwandlung des Zoos von Buenos Aires scheint sich langsam aber sicher zur Katastrophe auszuwachsen. Es konnten erst wenige Tiere anderweitig platziert werden und die Mortalit\u00e4t im Bestand hat stark zugenommen. \u00dcbrigens, woher wissen Sie \u00fcberhaupt, dass ein Tier, das im Zoo von zoogeborenen Eltern zur Welt gebracht wurde, sich in einem Schutzzentrum nach Ihren Vorstellungen wohler f\u00fchlte, als in seinem angestammten oder einem vergleichbaren Gehege? Auch die Idee eines Biodroms d\u00fcrfte langfristig nicht funktionieren. Da gehen die Leute einmal hin, dann haben sie es f\u00fcr den Rest ihres Lebens gesehen, weil das Einmalige, der unmittelbare Kontakt zum Tier und die damit verbundenen immer neuen Erlebnisinhalte fehlen. Erich von D\u00e4niken hat mit seinem auf diesem Konzept beruhenden Mystery Park in Interlaken nach nur drei Jahren Betrieb grandios Pleite gemacht. Den Zoo Berlin aber gibt es seit 165 Jahren &#8211; und er hat, zusammen mit seinem Aquarium, immer noch 3.5 Millionen Besucher pro Jahr&#8230;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle:\u00a0https:\/\/www.zootier-lexikon.org\/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=6974:offener-brief-an-volker-sommer Sehr geehrter Herr Sommer Ich muss gestehen, ich bewundere Ihre F\u00e4higkeit, Dichtung und Wahrheit&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":10508,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1704,206],"tags":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v22.5 (Yoast SEO v22.5) - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Brieg an Volker Sommer<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"In diesem offenen Brief an Volker Sommer werden seine Kritikpunkte als unfundiert zur\u00fcckgewiesen und 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